Eine Migration zu WordPress wird meist nach einer Frage freigegeben: Rechnet sie sich, und ab wann. Die Antwort steckt in Unterlagen, die Sie bereits haben: der Lizenzverlängerung des CMS, dem Hosting-Vertrag, den Stunden, die Ihre Agentur im letzten Jahr für kleine Änderungen abgerechnet hat, und den Tagen, die eine neue Landingpage bis zur Veröffentlichung wartet. Dieser Leitfaden geht jede dieser Positionen durch und zeigt, wie daraus eine belastbare Amortisationsrechnung wird.
1. Wie viel Lizenzkosten spart eine Migration zu WordPress
Die unmittelbarsten Auswirkungen einer WordPress-Migration zeigen sich in der Bilanz.
- Wegfall der Lizenzgebühren: Die Lizenz eines Enterprise-CMS ist ein jährlich wiederkehrender Posten, der mit Nutzerzahl und Modulen wächst und sich verlängert, ob Sie in dem Jahr etwas ausgeliefert haben oder nicht. Der Wechsel zu WordPress streicht diesen Posten für die Software selbst komplett.
- Hosting-Optimierung: Leistungsstarkes Managed WordPress Hosting (wie WP Engine oder WordPress VIP) ist oft kosteneffizienter als die Verwaltung eines eigenen, überdimensionierten Cloud-Stacks für ein proprietäres CMS.
2. Mehr Produktivität im Marketing mit WordPress
Im Jahr 2026 ist Zeit die teuerste Ressource.
- Nicht-technische Inhaltserstellung: In WordPress kann ein Marketingmanager eine Landingpage mit dem Block-Editor in 30 Minuten erstellen. In einem Altsystem erfordert dies oft ein Entwickler-Ticket und eine Bearbeitungszeit von einer Woche.
- Geringere Schulungskosten: Fast jeder weiß, wie man WordPress bedient. Neue Mitarbeiter sind vom ersten Tag an produktiv, anstatt Wochen damit zu verbringen, eine nischenspezifische proprietäre Benutzeroberfläche zu erlernen.
3. WordPress-Migration und SEO-Rankings
Google bewertet zuerst die Relevanz. Eine Migration entscheidet deshalb vor allem darüber, ob Sie Ihre Sichtbarkeit halten und wie viel Kontrolle Sie über die Technik gewinnen.
- Kontrolle über das Markup: WordPress rankt nicht besser, weil es WordPress ist. Mit einem gut gebauten Block-Theme bestimmen Sie Überschriften, Markup und strukturierte Daten selbst, statt hinzunehmen, was die Vorlage eines proprietären CMS erzeugt.
- Core Web Vitals: Moderne WordPress-Themes und Architekturen (besonders Headless-Setups) können die Feldwerte aus Abschnitt 11 erreichen. Ein Lighthouse-Wert von 90 bis 100 ist ein Labortest, nicht die Messung, die Google verwendet.
- Strukturierte Daten: Product- und Article-Markup lässt sich aus dem Inhaltsmodell erzeugen, statt es von Hand zu pflegen. FAQ- und HowTo-Markup sind kein Argument für eine Migration: Seit 2023 zeigt Google FAQ-Rich-Results nur noch für bekannte, maßgebliche Websites von Behörden und aus dem Gesundheitsbereich und keine HowTo-Rich-Results mehr.
4. Wie vermeidet man Vendor Lock-in mit WordPress
Die Fähigkeit, schnell umzuschwenken, ist unbezahlbar.
- Plugin-Ökosystem: Sie möchten einen Community-Hub hinzufügen? Ein Mitgliederportal? Eine KI-gestützte Suche? In WordPress können diese Funktionen in Tagen integriert werden. In einem proprietären CMS sind dies “Sonderprojekte”, die Monate dauern.
- Kein Vendor Lock-in: Ihr Code gehört Ihnen. Sie sind niemals den Preiserhöhungen oder mangelnder Innovationskraft eines einzelnen Anbieters ausgeliefert.
ROI proprietäres CMS vs. WordPress über 3 Jahre
| Kategorie | Proprietäres Legacy-CMS | WordPress (Enterprise) |
|---|---|---|
| Softwarekosten | Hoch / Wiederkehrend | Keine Lizenzposition |
| Lead-Gen-Geschwindigkeit | Langsam (IT-abhängig) | Schnell (Marktgetrieben) |
| Content-Ops-Kosten | Sehr hoch | Niedrig |
| Innovationsgeschwindigkeit | Niedrig | Sehr hoch |
| Amortisationshorizont | Keiner, die Lizenz verlängert sich | Einmalige Migration, danach dauerhaft niedrigere Laufkosten |
5. Lohnt sich die Migration zu WordPress
Dafür brauchen Sie unsere Zahlen nicht. Setzen Sie Ihre eigenen ein.
- Ihre Ausgangslage: die diesjährige CMS-Lizenz plus die spezialisierte Wartung, die Sie einkaufen, weil sonst niemand das System anfassen kann.
- Jahr 1: einmalige Migrationskosten. Die Lizenzposition fällt weg. Die Wartungsposition sinkt, weil normale WordPress-Entwickler den Großteil der Arbeit übernehmen können, für die vorher ein zertifizierter Spezialist nötig war.
- Ab Jahr 2: Lizenz und Spezialistenaufschlag sind schlicht verschwunden, jedes Jahr aufs Neue.
- Der Test: Liegt die einmalige Migration unter etwa einem Jahr Lizenz plus dem Spezialistenaufschlag, den Sie nicht mehr zahlen, hat sich das Projekt vor der nächsten Vertragsverlängerung bezahlt gemacht. Diesen Vergleich, nicht die ROI-Folie eines Anbieters, sollte Ihr CFO unterschreiben.
6. Welche CMS-Kosten man vor der Migration erfassen sollte
Eine belastbare ROI-Rechnung beginnt nicht mit WordPress, sondern mit einer vollständigen Liste dessen, was das heutige System kostet. Im DACH-Raum laufen viele Unternehmensseiten auf proprietären Plattformen wie CoreMedia, FirstSpirit oder Sitecore, und bei allen dreien stehen Lizenz, Betrieb und Partnerleistungen meist in getrennten Verträgen. Genau deshalb wird regelmäßig ein Posten vergessen.
| Kostenblock | Woher die Zahl kommt | Was sich nach der Migration ändert |
|---|---|---|
| Lizenz und Module | Lizenzvertrag, letzte Verlängerungsrechnung | Die Softwarelizenz entfällt; einzelne Premium-Plugins können als kleinere Posten dazukommen |
| Betrieb und Hosting | Rechnungen des Hosters oder der eigenen Cloud | Managed Hosting mit CDN, Backups und SSL im selben Vertrag |
| Zertifizierter Partner | Rahmenvertrag, Stundennachweise | Der Markt an WordPress-Entwicklern ist deutlich breiter, Sie sind nicht an einen Partner gebunden |
| Interne Wartezeit | Ticketsystem: Tage von Anfrage bis Livegang | Redaktion veröffentlicht selbst, Tickets bleiben für echte Entwicklung |
| Major-Upgrades | Angebote des Partners für den letzten Versionssprung | Updates werden laufend eingespielt statt als eigenes Projekt beauftragt |
Die letzte Spalte ist keine Zusage, sondern die Hypothese, die Sie nach zwölf Monaten mit derselben Datenquelle überprüfen.
ROI beim Wechsel von TYPO3 zu WordPress
TYPO3 ist im deutschsprachigen Raum weit verbreitet und selbst Open Source, eine Lizenzposition gibt es dort also nicht. Der ROI einer Migration von TYPO3 muss deshalb anders begründet werden: mit dem Aufwand für Versionssprünge zwischen LTS-Releases, der Abhängigkeit von wenigen spezialisierten Agenturen und der Frage, wie selbstständig Ihre Redaktion arbeiten kann. Fällt dieser Vergleich knapp aus, ist ein Wechsel nicht zwingend. Das offen zu sagen, gehört zu einer ehrlichen Rechnung.
7. Was kostet eine Migration zu WordPress
Die einmaligen Kosten bestehen aus mehr als der Umsetzung. Wir kalkulieren jedes Projekt individuell, die Positionen sind aber immer dieselben:
- Inhaltsinventur: welche Seiten umziehen, welche zusammengelegt und welche gelöscht werden.
- Weiterleitungskonzept: jede alte URL mit 301 auf ihr neues Ziel. Ohne diese Liste geht Sichtbarkeit verloren, und der Umsatz-ROI aus Abschnitt 3 dreht ins Minus.
- Schnittstellen: CRM, Newsletter-Tool, SSO, ERP oder Produktdaten.
- Datenschutz: Mit dem neuen Hoster brauchen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO, und Formulare, Tracking und eingebettete Dienste müssen neu geprüft werden. Das kostet Zeit, ist aber auch die Gelegenheit, Altlasten aufzuräumen.
- Parallelbetrieb: Achten Sie auf die Kündigungsfrist des bisherigen Vertrags. Ein Livegang wenige Wochen nach der automatischen Verlängerung bedeutet eine weitere volle Lizenzperiode.
- Schulung: ein paar Termine für die Redaktion und eine feste Ansprechperson in den ersten Wochen.
8. Amortisationszeit berechnen und Migration bilanzieren
Die Formel ist einfach: einmalige Migrationskosten geteilt durch die monatliche Differenz der laufenden Kosten ergibt die Amortisationszeit in Monaten. Schwierig ist nur, ehrlich zu bestimmen, was in die Differenz gehört.
- Hinein gehören Lizenz, Partnerpauschalen, Hosting-Zusatzleistungen und Upgrade-Projekte, die es künftig nicht mehr gibt.
- Nicht hinein gehören eingesparte Entwicklerstunden, solange kein Vertrag oder keine Stelle tatsächlich wegfällt. Diese Stunden sind gewonnene Kapazität, keine Einsparung, und sollten separat ausgewiesen werden.
- Separat ausweisen sollten Sie auch mögliche SEO-Effekte. Sie hängen genauso vom Weiterleitungskonzept und von Inhalten ab wie von der Plattform.
Für die Bilanz klären Sie früh mit Ihrer Steuerberatung, wie die Migrationskosten behandelt werden. Handelsrechtlich gibt es für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände ein Aktivierungswahlrecht nach § 248 Abs. 2 HGB, steuerlich gilt für sie ein Aktivierungsverbot nach § 5 Abs. 2 EStG. Ob Ihre neue Website als angeschafft oder selbst hergestellt gilt, hängt von der Vertragsgestaltung ab. Diese Einordnung ist Sache Ihrer Beratung, sie verändert aber, wie der Business Case im Jahresabschluss aussieht.
9. ROI der Migration nach zwölf Monaten messen
Erheben Sie die Werte aus der Tabelle in Abschnitt 6 erneut, aus denselben Quellen. Für die Suche exportieren Sie vor dem Umzug die Klicks und Impressionen je URL aus der Google Search Console, die 16 Monate Daten vorhält, damit Sie denselben Zeitraum im Folgejahr vergleichen können. Ob Sie Google Analytics oder aus Datenschutzgründen Matomo einsetzen, ist für die Rechnung zweitrangig; wichtig ist nur, dass Zielvorhaben vor und nach der Migration gleich definiert sind. Hat sich die Seitenstruktur geändert, vergleichen Sie Seitengruppen statt einzelner URLs.
10. Was nach einer CMS-Migration mit den Google-Rankings passiert
Google beschreibt diesen Fall im Leitfaden zu Website-Umzügen mit URL-Änderungen, und drei Punkte daraus gehören in den Business Case. Die Weiterleitungen: Google empfiehlt permanente HTTP-Weiterleitungen wie 301 oder 308 und rät, sie so lange wie möglich bestehen zu lassen, in der Regel mindestens ein Jahr. Die Delle: Derselbe Leitfaden kündigt vorübergehende Schwankungen im Ranking während des Umzugs an und nennt für kleine und mittelgroße Websites einige Wochen, bis die meisten Seiten umgezogen sind. Die Reihenfolge: Für kleine und mittelgroße Websites empfiehlt Google, alle URLs gleichzeitig umzuziehen statt Abschnitt für Abschnitt.
Für die Amortisationsrechnung heißt das: SEO-Gewinne haben in den ersten Monaten nichts verloren. Setzen Sie sie, wenn überhaupt, ab der zweiten Hälfte des ersten Jahres an, und lassen Sie die Weiterleitungen weit über das Vertragsende des alten CMS hinaus laufen. Ein Livegang außerhalb der Saison, die Ihnen die meisten Anfragen bringt, kostet nichts und hält die von Google beschriebenen Schwankungen von Ihren besten Monaten fern.
11. Welche Core-Web-Vitals-Grenzwerte nach der Migration zu WordPress gelten
Der oft genannte Wert von 90 bis 100 für WordPress-Themes ist ein Lighthouse-Laborwert. Die Core Web Vitals werden an echten Seitenaufrufen gemessen. Eine Seite besteht, wenn das 75. Perzentil der Seitenaufrufe, getrennt nach Mobilgeräten und Desktop, drei Grenzwerte einhält:
| Messwert | Was er misst | Gut |
|---|---|---|
| LCP | Laden des Hauptinhalts | höchstens 2,5 Sekunden |
| INP | Reaktion auf Interaktionen | höchstens 200 Millisekunden |
| CLS | Visuelle Stabilität | höchstens 0,1 |
INP wurde 2024 zu einem stabilen Core-Web-Vital-Messwert und hat First Input Delay abgelöst. Ein Vergleich mit einem älteren Audit der bisherigen Website muss deshalb dieselben Messwerte verwenden. In der Google-Dokumentation zur Nutzerfreundlichkeit von Seiten steht, dass die Core Web Vitals von den Rankingsystemen verwendet werden. Dort steht aber auch, dass gute Werte in den Berichten keine Spitzenplätze garantieren und dass die Google-Suche immer die relevantesten Inhalte zeigen will, selbst wenn deren Nutzererfahrung schwächer ist. In der ROI-Tabelle sind bestandene Core Web Vitals daher ein Schutz vor Verlusten, keine Umsatzzeile.
12. Was WordPress nach dem Wegfall der Lizenz noch kostet
WordPress selbst steht unter der GPLv2 (oder später), für die Software fällt also keine Gebühr an. Die laufenden Kosten sinken aber nicht auf null, und der Business Case wird glaubwürdiger, wenn er sie benennt:
- Kommerzielle Plugins und Themes: Viele werden als Jahresabonnement für Updates und Support verkauft. Jedes davon ist ein kleiner wiederkehrender Posten, und die Liste sollte vor dem Livegang feststehen, nicht danach.
- Updates: Seit WordPress 3.7 spielen die meisten Websites Wartungs- und Sicherheitsversionen automatisch im Hintergrund ein, wie die Ankündigung zu Version 3.7 erklärt. Seit WordPress 5.5 können Administratoren automatische Updates für jedes Plugin und jedes Theme einzeln einschalten. Hauptversionen und Plugins, die Checkout, Formulare oder Schnittstellen betreffen, sollten trotzdem zuerst auf einer Staging-Umgebung getestet werden, und dieses Testen ist der eigentliche Wartungsaufwand.
- Hosting und Backups: der Managed-Tarif aus Abschnitt 1 und zusätzlich eine Sicherung außerhalb des Hosters.
Keiner dieser Posten verlängert sich nach dem Ermessen eines einzelnen Anbieters, wie es eine Enterprise-Lizenz tut, und jeder lässt sich für sich allein ersetzen.
13. Wie leicht man WordPress-Entwickler findet
Die Argumente zu Produktivität und Wartung setzen voraus, dass nicht nur ein einziger zertifizierter Partner an der Website arbeiten kann. Am 14. Oktober 2026 meldete W3Techs, dass WordPress auf 58,5 % der Websites läuft, deren Content-Management-System bekannt ist, das sind 40,0 % aller Websites der Erhebung. Für eine Plattform mit diesem Anteil gibt es einen breiten Markt an Agenturen und Freelancern. In der ROI-Rechnung hat das keinen eigenen Betrag, senkt aber das Risiko, dass ein einzelner Anbieter den Preis jeder Änderung bestimmt. In einem geschlossenen System müssten Sie dieses Risiko als Anbieterabhängigkeit einpreisen.
14. Wie man Inhalte später wieder aus WordPress exportiert
Auch die Ausstiegskosten gehören in die Rechnung, denn irgendwann kommt die nächste Migration. In WordPress ist der Export ein dokumentierter Befehl: wp export aus WP-CLI erzeugt eine oder mehrere WXR-Dateien mit Autoren, Begriffen, Beiträgen, Kommentaren und Anhängen und lässt sich mit Optionen wie --post_type, --start_date und --dir eingrenzen. Die Dokumentation nennt zwei Grenzen: WXR-Dateien enthalten weder die Website-Konfiguration (Optionen) noch die Anhangdateien selbst, Medien werden also getrennt aus dem Upload-Ordner kopiert. Vergleichen Sie das mit der Ausstiegsklausel Ihres heutigen CMS-Vertrags. Ist der Inhaltsexport dort kostenpflichtig oder kommt er in einem Format, das nur der Anbieter lesen kann, gehört die Differenz zum Ertrag der Migration.
Fazit
Ob sich die Migration rechnet, zeigen Ihre eigenen Zahlen: die letzte Lizenzrechnung, die Hosting-Kosten, die abgerechneten Wartungsstunden der letzten zwölf Monate und die Tage, die eine neue Landingpage heute bis zur Veröffentlichung braucht. Stellen Sie diese Werte den einmaligen Kosten für Templates, Content-Migration und Tests gegenüber, bevor Sie entscheiden.
Wenn sich Ihr aktuelles CMS eher wie eine Belastung als ein Aktivposten anfühlt, ist es an der Zeit, nachzurechnen. Die Kosten des Nichtstuns sind oft viel höher als die Kosten einer Migration.
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